Der Markt baut am Markt vorbei

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Mai 2017

In den letzten Jahren sind jährlich 40 – 50‘000 Wohnungen entstanden. Insgesamt ergibt sich aktuell ein leichtes Überangebot. Das braucht es für den Markt, sonst sind die MieterInnen immer in der schwächeren Position.

Doch die Zahlen täuschen. Viele der verfügbaren Wohnungen stehen in ländlichen Gebieten und damit am „falschen“ Ort. Das erfuhr der Vorstand von WBG Schweiz an der Retraite im Tessin von der Regierung direkt: In Lugano und Bellinzona herrscht Wohnungsnot, in den Tälern dagegen verbreitet Leerstand.

Ähnlich ist es in den anderen Teilen des Landes: Auf der Landschaft hat es leere, günstige Wohnungen. Zentren haben zu viele hochpreisige, luxuriöse Appartements, oft zu gross und viel zu teuer. Hingegen gibt es da zu wenige günstige Familien- und zu wenige kleine Wohnungen für Haushalte mit einer oder zwei Personen.

Älteren Menschen fehlt daher der Anreiz, die günstige und grosse Wohnung zu verlassen und sie einer Familie mit Kindern zu überlassen. Sie müssen mit sinkendem Einkommen rechnen und haben kaum Bedarf an Altersresidenzen, eine teure Wohnung ist dann ein Klotz am Bein.

Der Markt baut am Markt vorbei, er richtet es nicht. In vielen Gemeinden hat das die Politik realisiert und macht sich daran, Genossenschaften zu gründen. Wohnen im Alter und Generationenwohnen sind Themen der Zeit. An diesen arbeitet WBG Schweiz schon lange (z. B. www.expert-plus.ch).

Der Bundesrat reagiert insofern, dass er ausländischen Investoren nicht noch mehr Türen öffnen („Lex Koller“) und den Fonds de Roulement bescheiden zusätzlich äufnen will. Generell setzt er aber auf „den Markt“ – Fehlleistungen hin oder her – und unterschätzt die Vorteile und Stärken des gemeinnützigen Wohnungsbaus.
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