Fair schmeckt besser

Artikel zur Fair-Food-Initiative der Grünen im Tagesanzeiger/Bund, März 2017

Im TA/Bund vom 28. Februar 2017 befasst sich Rudolf Strahm mit der aktuellen Agrarpolitik. Er kritisiert diese regelmässig und unzimperlich und zum Teil auch zurecht. Auf seinem Tour d’Horizon ist ihm diesmal auch die Fair-Food-Initiative der Grünen begegnet. Auf viereinhalb Zeilen wird sie verkürzt und falsch dargestellt, so dass sie unter seinen Arbeitstitel „Agrarmythos“ passt.

Das ist vielleicht gäbig für eine süffige Kolumne, wird der Sache aber überhaupt nicht gerecht. Die Fair-Food-Initiative hat mit Agrarmythos, Anbauschlacht und Plan Wahlen oder mit US-Präsident Trumps Politik überhaupt nichts gemeinsam. Das ist blosse Polemik.

Die Agrarpolitik des Bundes hat bislang zu sehr die Inlandproduktion im Auge. Das Landwirtschaftsgesetz fordert Nachhaltigkeit für in der Schweiz hergestellte Lebensmittel. Das macht Sinn. Speziell gefördert werden nur bodenbewirtschaftende und bäuerliche Betriebe. Sie müssen einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen und die massgeblichen Bestimmungen in den Bereichen Gewässerschutz, Umweltschutz und Tierschutz einhalten. Auch das zurecht und das unterstützt die Initiative.

Fair Food öffnet den Blick und stellt zusätzlich die Frage: Ist es richtig, dass auch im Ausland produzierte und in die Schweiz importierte Lebensmittel unter würdigen Arbeitsbedingungen produziert werden und dabei Rücksicht auf das Tierwohl und die Umwelt genommen werden muss? Die Fair-Food-Initiative sagt ja bei dieser für viele rhetorischen Frage und die Initianten wissen mit dieser Haltung eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter sich.

Die Initiative interessiert sich dafür, nach welchen Standards importierte Lebensmittel produziert werden. Standards, die für schweizerische Lebensmittel gelten, sollen grundsätzlich auch bei importierten Gütern gelten. Konsumentinnen und Konsumenten sollen dank einer Deklaration auch bei Importprodukten über Herkunft und Art, wie die Nahrungsmittel produziert wurden, informiert werden.

Fair Food will nachhaltige Handelsbeziehungen fördern, bilaterale Verträge und WTO müssen grün werden. Das heisst, dass künftige Freihandelsverträge auch der Nachhaltigkeit verpflichtet sein müssen. Dazu kann und muss sich die Schweiz im Rahmen WTO dafür einsetzen, dass das Tierwohl sowie soziale und ökologische Aspekte angemessen berücksichtigt werden. An der Grenze kann der Bund Zollkontingente einsetzen, um nachhaltig produzierte Lebensmittel zu begünstigen.

Weder das Motiv für die Initiative noch ihre Wirkung ist protektionistisch. Aber sie wendet sich gegen den Import von Billigst-Lebensmitteln. Gleichzeitig wendet sie sich auch gegen schrankenlosen Freihandel. Sie will ein drittes und mit dieser Möglichkeit befasst sich Rudolf Strahm leider nicht. Im Kern geht es darum, Handel und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden und die Qualität auch im Inland zu verbessern.

Migros und Coop haben versprochen, dass Importe ab 2020 tierschutzkonform sein sollen. Die Initiative will das für alle, auch im Interesse von Konsumentinnen und Konsumenten, sicherstellen. Analog ist auch bei anderen Lebensmitteln zu verfahren. Der Staat kann und soll die dafür nötigen Kontrollen in die Hände der Privatwirtschaft geben und sich auf Stichproben konzentrieren. Das tut er in andern Fällen auch, etwa bei ausländischen Schlachthöfen.

Die Initiative will Wettbewerb um die Qualität statt wie heute um Billigpreise zulasten von Mensch, Tier und Umwelt. Es trifft zu: Wer auf möglichst tiefe Preise setzt und Nachhaltigkeitskriterien kleindenkt oder vernachlässigt, hätte es schwieriger.

Die Anliegen der Fair-Food-Initiative entsprechen den Forderungen im Weltagrarbericht und den Nachhaltigkeitszielen der UNO, die auch die Schweiz unterzeichnet hat. Das Ziel: Die globale Landwirtschaft soll ökologischer werden und vermehrt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ins Zentrum stellen. Die Zukunft liegt im nachhaltigen, fairen Handel. Davon profitieren die Menschen vor Ort und in der Schweiz - und das Essen schmeckt besser.
Kontakt

Komitee 2015
Überparteiliches Komitee
Louis Schelbert
6000 Luzern

» Namensliste Komitee...