Wohin mit der Eigenmietwertbesteuerung?

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Dezember 2016

Vier Jahre nach der Abstimmung über die Volksinitiative «Sicheres Wohnen im Alter» kommt das Thema Eigenmietwertbesteuerung wieder ins Parlament. Hängig sind eine Motion Egloff und eine parlamentarische Initiative Leutenegger Oberholzer. Beide wollen, dass selbstgenutztes Wohneigentum nicht länger der Besteuerung unterstellt sein muss.

Das Grundanliegen wird breit getragen, das haben diverse Volksabstimmungen gezeigt. Es knüpft beim Gerechtigkeitsgefühl vieler Steuerpflichtiger an, von denen der Eigenmietwert als etwas Fiktives empfunden wird. Steuersystematisch ist das Gefühl zwar falsch, trotzdem wurden in den letzten 25 Jahren zahlreiche Vorstösse und Initiativen für einen Systemwechsel lanciert. Das ist nachvollziehbar. Denn die aktuelle Situation animiert zum Schuldenmachen, erst recht beim jetzt niedrigen Zinsniveau. Das ist kein guter Anreiz.

Der Vorstoss Egloff verlangt eine einmalige Wahlfreiheit. Das halte ich für heikel. Sie würde vor allem gutgestellten Haushalten nützen. Nach Abzahlung der Hypotheken wären sie von der Eigenmietwertbesteuerung befreit. Weniger vermögende Haushalte müssten den Banken weiterhin Hypozinsen zahlen und wären der Besteuerung unterworfen. Zudem würde das Steuerrecht weiter verkompliziert.

Als Genossenschafter habe ich nicht prinzipiell etwas gegen einen Systemwechsel, allerdings nur, wenn er möglichst rein vollzogen wird. Das heisst: Wird die Eigenmietwertbesteuerung abgeschafft, müssen auch die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten für Schuldzinsen usw. dahinfallen. Damit würden Eigentümerinnen und Mieter eher gleichgestellt. Je mehr Abzugsmöglichkeiten bleiben, umso ungleicher wird das Verhältnis. Den Fünfer und das Weggli darf es nicht geben.
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