Versicherungslücke

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», November 2016

Wohnbaugenossenschaften müssen sich im Rahmen ihrer Aufgaben mit tausend Fragen befassen. Dazu gehört das Thema Versicherungen. Für die Genossenschaften als Eigentümer gilt das Verursacherprinzip, und sie haften für jegliche Schäden. Auch unsere Genossenschaften tun deshalb gut daran, sich vorzusehen und sich mit einer Versicherung vor allfälligen teuren Folgekosten zu schützen.

Das Verursacherprinzip gilt aber nicht in allen Bereichen. Wo niemand für einen Schaden haftbar gemacht werden kann, wie etwa bei einem Erdbeben, gibt es in der Schweiz bislang keinen umfassenden obligatorischen Versicherungsschutz.

Auch keinen echten Versicherungsschutz gäbe es im Falle eines schwerwiegenden Atomunfalls. Das ist erstaunlich. Sind die Schweizer AKW so absolut sicher? Ich denke nicht. So wenig, wie das die Werke in Japan waren und sind. Die Katastrophe von Fukushima ist ein schreckliches Lehrstück.

Die Schweiz hat den ältesten AKW-Park und Beznau I ist das älteste Atomkraftwerk auf dem Erdball. Und doch mangelt es an einer genügenden Versicherung. Das ist in Verbindung mit allfälligen staatlichen Leistungen im Grunde eine versteckte Subvention der Atomindustrie. Sie muss den Hauptteil der Risikokosten nicht tragen.

Nach einem Unfall müssten und könnten nicht die AKW-Betreiber für die Milliardenschäden aufkommen, sondern - wenn überhaupt - die Steuerzahlenden. Gebäude und Land von Wohnbaugenossenschaften würden in einem solchen Schadenfall - wie alle anderen - nur geringfügig entschädigt, wenn überhaupt.

An diese Versicherungslücke dürfen wir als Stimmberechtigte auch denken, wenn am 27. November über die Atomausstiegs-Initiative abgestimmt wird.
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