Energiewende bringt mehr Arbeit und Verdienst für KMU

erschienen in der Zeitschrift «Erfolg» des SKV Schweizerischer KMU-Verband, Ausgabe 6, Juni 2015

Die Energiewende ist eine Chance für viele KMU. Ein Marschhalt wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses wär daher verkehrt. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse meint zwar, es seien „Unsicherheiten und Belastungen“ mit der energiepolitischen Neuordnung damit verbunden. In meinen Augen ist das Gegenteil der Fall.

Die Schweiz kann bis 2050 umstellen. In 35 Jahren kann das Energiesystem von Atomkraft, Gas und Erdöl wegkommen und auf erneuerbare Energien gestellt werden. Für den Strom haben die Grünen zwei realistische Szenarien für einen klima- und umweltfreundlichen Ausstieg aus der Atomenergie erarbeitet. Umweltorganisationen errechneten Modelle, die auch Erdöl und Gas mit einbeziehen. Das bestätigt im wesentlichen auch der Bundesrat: Gestützt auf wissenschaftliche Studien will er die Ziele bis 2050 erreichen. Interessant ist: Alle Varianten bringen KMU mehr Arbeit und Verdienst.

Diese energiepolitische Entwicklung ist unausweichlich. Wichtige der heute genutzten Energiequellen sind endlich, ihre Verfügbarkeit nimmt laufend ab. Das wirkt sich auf deren Preise aus. Knappere Ressourcen und höhere Sicherheitsvorschriften treiben die Preise von Energien, die auf Erdöl, Gas und Uran basieren, bald auf neue Spitzen. Das sind schlüssige ökonomische Argumente. Sie lassen sich allerdings politisch verschleiern. Zwei Beispiele: 1. Beim Öl werden kurzzeitige Preisabschläge als „Argument“ genannt, doch die langjährige steigende Tendenz wird unterschlagen. 2. Beim Strom bekommt in England das geplante AKW Hinkley Point staatliche Bürgschaften auf allen Krediten und eine kostendeckende Einspeisevergütung, die höher ist als jene für erneuerbare Stromproduktion!

Auch ist importierte Energie mit Risiken behaftet, die die einheimische Produktion von erneuerbaren Energien nicht kennt. Zu nennen sind die Kriege um Erdöl und Erdgas (und andere Bodenschätze). Dazu gehören gefährliche Begleiterscheinungen wie der Klimawandel oder atomare Verseuchungen, seit 30 Jahren im ukrainischen Tschernobyl oder seit vier Jahren im japanischen Fukushima. Nicht zuletzt verstärkt sich wegen solcher „Nebenwirkungen“ auch die globale Migration.

Unsicherheit und Belastung begleiten vor allem Öl, Gas und Uran, kaum dagegen die in der Schweiz produzierten erneuerbaren Energien. Gut: Auch traditionelle Wasserkraft wird nicht ganz ohne Risiken genutzt, so bedürfen etwa Staumauern permanenter Überwachung. Und ohne Diskussionen über Eingriffe in Natur und Landschaft werden auch künftige Generationen nicht auskommen, wenn Strom die fossilen Energieträger ersetzt. Doch das ist leistbar.

Die Energiewende ist gut für KMU. Fast die Hälfte der Gesamtenergie und etwa die Hälfte des Stroms verbraucht der Gebäudepark. Seine energetische Erneuerung ist ein wichtiger Schlüssel, damit die Energiewende gelingt. Wie viele verschiedene Berufe wirken im Hochbau zusammen! Zusammenarbeit wird die Stellung aller stärken. Und da auch die Nutzung der Energieeffizienz dezentral erfolgt, ergänzen sich die zwei wichtigsten Elemente der künftigen Energiepolitik. Darin liegt gleichzeitig eine grosse volkswirtschaftliche Chance.

Nun geht es darum, politisch zu sichern, dass eine dezentrale Produktion zur Basis der Versorgung wird. Das ist für die Risikoverteilung wichtig. Es erfordert aber auch Anpassungen im Stromnetz – auch dies eine Chance für KMU. Statt einiger Spezialisten in letztlich nicht kontrollierbaren Grossanlagen schaffen dann insbesondere die Mitarbeitenden von KMU die Voraussetzungen dafür, dass der Grossteil der nötigen Energie in der Fläche produziert wird. Entwicklung, Planung, Installation und Wartung der Anlagen geben vielen Arbeit und Verdienst. KMU haben objektiv ein vitales Interesse daran.
Kontakt

Komitee 2015
Überparteiliches Komitee
Louis Schelbert
6000 Luzern

» Namensliste Komitee...