Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Ausgabe 4, April 2015

Neue Medien eröffnen uns neue Möglichkeiten. Wir sind, wenn wir wollen, immer erreichbar. Viele von uns können, wenn sie wollen, Arbeit nach Hause nehmen. Das kann sein Gutes haben, lässt sich doch damit der Grad an Selbstbestimmung erhöhen, vielleicht auch die Kontrolldichte vermindern. Im Privaten wie in der Arbeit, eine schöne neue Welt.

Das „Alles-Immer-Überall“ hat aber auch Kehrseiten und birgt eine ganz grosse Gefahr: Klare Trennlinien zwischen Arbeitszeit und Freizeit, Unternehmen und Arbeitskraft, Betrieb und Zuhause sind gefährdet. Der Fachjargon nennt dies „Entgrenzung der Arbeitswelt“ und gemeint ist, dass sich die Arbeit immer mehr in den Freizeitbereich auszudehnen droht.

Doch Freizeit braucht ihren Platz. Die Menschen brauchen freie Zeit von der Arbeit, etwa um sich zu erholen oder um soziale Kontakte zu pflegen. Fehlt oder schwindet sie, ist mit gesundheitlichen, aber auch mit gesellschaftlichen Problemen zu rechnen. Es dürfen nicht alle Lebensbereiche den Anforderungen der Arbeitswelt untergeordnet werden. Klare Trennlinien sind wichtig.

Dass nicht das Umgekehrte passiert und die Arbeit sich der Freizeit fügen muss, dafür sorgen Machtverhältnisse und Gesetze. Ob dagegen die freie Zeit schleichend eingeschränkt wird, entscheidet sich mit der Frage, ob die Arbeitnehmenden geschützt sind und die Nutzung der neuen Möglichkeiten freiwillig bleibt.

Das ist, wenn nötig gesetzlich, zu sichern. Umso mehr, als bezahlte Arbeit für fast alle notwendig ist. Zur Verantwortung der Arbeitsorganisatoren gehört, die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zu respektieren. Unser Verband kennt solche Arbeitsverhältnisse. Dabei werden der Verband und die Genossenschaften bleiben (müssen).
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