Regulierung der Finanzmärkte dient KMU

erschienen in der Zeitschrift «Erfolg» des SKV Schweizerischer KMU-Verband, Ausgabe 4, April 2015

Es war ein Schock für die Schweiz, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar beschloss, den Euro-Mindestkurs aufzugeben. Noch immer wird über die Gründe des Entscheids gestritten, aber er bleibt eine Tatsache. Auch der Zeitpunkt kann ein Thema sein, ebenso wie die Frage, weshalb die SNB nicht früher auf Negativzinsen setzte. Die Zinsentwicklung zeigte seit längerem eine wachsende Annäherung der Franken- und Eurozinsen. Niemand bestreitet, dass der Franken überbewertet ist.

Warum ist der Franken zu stark? Ein Grund ist die Schweizer Finanzinstituten zugeschriebene Sicherheit („safe haven“), ein anderer die Spekulation. Sie bringen Geldströme aus aller Welt in die Schweiz. Das ist tut der Finanzbranche gut, Teile von Industrie und Gewerbe dagegen leiden darunter. Die Spekulation ist ein echter, wachsender Gegner der realen Wirtschaft. Denn die Folgen der währungsbedingt höheren Gestehungskosten tragen vorab normale Unternehmen, grosse und kleine, und schliesslich die Volkswirtschaft und die Bevölkerung mit Arbeitsplatzverlusten.

Die Finanzwirtschaft hat sich weitgehend verselbständigt. Der Handel mit Derivaten ist fast hundert Mal grösser als der Handel mit Wertpapieren an den Börsen. Bringt man den „Wert“ der Derivate in Verbindung mit dem, was global jährlich realwirtschaftlich produziert wird, machen die Derivate das Neun- bis Zehnfache davon aus. Derivate sind im Grunde Absicherungsgeschäfte, echte Derivate beziehen sich auf die reale Wirtschaft. Die Summe ihrer Werte müsste daher unterhalb Faktor 1 liegen, nicht neun- oder zehnmal höher.

Der Hochfrequenz-Handel ist ein anderes Beispiel. Damit lassen sich im Aktienhandel in Millisekunden Geschäfte mit Abermillionen machen. Betroffen davon sind auch Pensionskassen. Mittels solcher Handelspraktiken werden, zum eigenen Vorteil, auch bewusst irreführende Signale ausgesandt. Ein echter volkswirtschaftlicher Nutzen dieser bizarren Handelsform ist nicht zu erkennen und dass damit nutzbringende Liquidität geschaffen würde, ist kaum nachvollziehbar.

Die Nahrungsmittelspekulation ist ein drittes Beispiel. Sie kann zu steigenden Nahrungsmittelpreisen und dann zu Verknappungen bei den Angeboten führen. Beides vergrössert die Gefahr von Hunger und Elend. Handel mit Nahrungsmitteln muss der Versorgung dienen. Spekulation dagegen dient der Allgemeinheit nicht, es schadet ihr im Gegenteil.

Was ist zu tun? Eine Rücknahme des SNB-Entscheids wird es nicht geben. Trotzdem heisst das nicht: „laisser faire“. Die SNB muss weiterhin zu Interventionen bereit sein, und das will sie nach eigenem Bekunden auch tun. Wenn nötig, wäre sie daran zu erinner. Die Negativzinsen zeigen eine gewisse Wirkung, doch die Frankenstärke ist immer noch da.

Wichtig ist, gegen die schädliche Spekulation vorzugehen. Doch damit tun sich SNB und politische Behörden schwer. In der Regel folgen auf eine korrekte Analyse Lösungsvorschläge, die mit Rücksicht auf kurzfristige Interessen des Finanzsektors nur eine Teilstrecke gehen. Das war auch bei „Too-big-to-fail“ so: Es gab keine den Risiken angemessene Eigenkapitalvorschriften. Daher würde im Falle eines UBS- oder CS-Zusammenbruchs weiterhin die Allgemeinheit wesentliche Folgen tragen - und die Banken müssen diese Risikoabwälzung nicht einmal abgelten.

Drei mögliche Massnahmen gegen die Spekulation: 1. Mit Finanztransaktionssteuern liesse sich der Hochfrequenzhandel einschränken. 2. Kapitalverkehrskontrollen für Kapitalimporte würden den ausländischen Zufluss vermindern. 3. Positionslimiten begtrenzen die in einer Hand gehaltenen Warenderivate, so dass nicht einer allein einen Nahrungsmittelmarkt destabilisieren oder die Preise manipulieren kann. Nichts davon ist wirklich neu auf dem Globus, für die Schweiz aber schon.

Wären diese Massnahmen Gift oder Medizin? Gift ist eine Frage der Menge. In der richtigen Dosis angewandt, sind die Mittel Medizin, für die Therapie geeignet – zum Wohl des Werkplatzes Schweiz.
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