Verdichten

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Ausgabe 1/2, Januar/Februar 2015

Wohnbaugenossenschaften brauchen für ihre Bauten Land. Die Bevölkerung will Kulturland besser schützen. Kann das neue Raumplanungsgesetz diesen Knopf lösen? Das Gesetz bildet nur den Rahmen für das Mögliche. Der Lackmustest kommt mit der Umsetzung.

Hier gibt es das Zauberwort „Verdichtung“. Höher und dichter soll in den bestehenden Bauzonen gebaut, der Landverschleiss so eingedämmt werden. Vermehrt sollen vorhandene Bauten erneuert, eingezonte Brachen genutzt und Baulücken geschlossen werden. Wird damit alles gut? Leider nicht, zuweilen sogar im Gegenteil.

Nun verschwinden Wohnungen mit ehemals günstigen Mietzinsen und an ihre Stelle treten grössere und teurere Einheiten, in denen aber schliesslich weniger Menschen wohnen als zuvor. Wenn die Wohnfläche pro Person zunimmt, handelt es sicher nicht um Verdichtung in einem guten Sinne.

Am stärksten schlägt dieser Trend mit neuen Eigentumswohnungen zu Buche. Eine Studie des MV Zürich von 2013 zeigt aber, dass es ähnliche Entwicklungen auch bei Wohnbaugenossenschaften gibt. Zu den Verlierern gehören ältere Einzelpersonen, aber auch ältere Paare. Das ist sicher nicht das Ziel der gemeinnützigen Wohnbauträger.

Erst recht, weil sich diese Art des Wachstums auch ökologisch nicht rechnet. Ein hoher Wohnflächenverbrauch pro Person verschlechtert die Energiebilanz oder relativiert sie zumindest. Zudem steckt in den alten und in den erneuerten Häusern auch noch viel graue Energie.

Solches „Verdichten“ löst also die Probleme nicht – weder mit Bezug auf Kulturlandschutz noch auf die Energie noch auf soziale Belange. Dem müssen auch Projekte von Wohnbaugenossenschaften Rechnung tragen.
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