Nicht dasselbe

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Ausgabe 5, Mai 2014

Auf politischen Podien geht es zuweilen nicht zimperlich zu und her. So konfrontierte mich neulich ein renommierter Podiumsteilnehmer mit dem Vorwurf, in den Genossenschaftswohnungen seien die falschen Leute, wie sich in Bern gezeigt habe. Nun, der politische Zweihänder wird ja am liebsten gerade dann benützt, wenn es an guten Argumenten mangelt, und auch Renommee schützt nicht vor Irrtümern.

Natürlich habe ich richtiggestellt, in den Liegenschaften der Stadt Bern – bei der öffentlichen Hand also – sei festgestellt worden, dass mehr als die Hälfte der Bewohner keinen Anspruch auf die gewährten Verbilligungen hatte. Die öffentliche Hand und die Genossenschaften seien bitte nicht dasselbe. Das wurde dann auch eingeräumt beziehungsweise kommentarlos hingenommen.

Bei Genossenschaften hat eine Untersuchung von Daniel Blumer ergeben, dass die meisten Gemeinnützigen klare Belegungskriterien kennen und sie anwenden. Er hat die Ergebnisse vor zwei Jahren an den Grenchner Wohntagen präsentiert. Natürlich gilt es im konkreten Anwendungsfall, die genauen Umstände anzuschauen – und das passiert ja. Niemand landet auf der Strasse.

Insbesondere wenn Genossenschaftswohnungen mit öffentlicher Unterstützung gebaut wurden oder werden, sind auch Kriterien wie die Einkommens- und Vermögenssituation der Bewohnerinnen sicher berechtigt. Bestehen sie, braucht es eine periodische Überprüfung. Das muss in den Satzungen der Genossenschaften so festgehalten sein.

Mir hat die Erfahrung auf dem Podium aber auch wieder vor Augen geführt, dass der Verband Wohnbaugenossenschaften Schweiz gut daran tut, sich kommunikativ zu verstärken. Es ist wichtig, dass der Verband und die Genossenschaften über die nötigen Wissensgrundlagen verfügen, um falschen Behauptungen rasch und wirkungsvoll entgegenzutreten.
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