Teilzeitarbeit

Kolumne erschienen in der Zeitschrift «Wohnen» des Verbandes «Wohnbaugenossenschaften Schweiz», Ausgabe 4, April 2014

Kürzlich sagte mir ein leitender Angestellter im persönlichen Gespräch: „Ich habe mit Schrecken festgestellt, dass unsere beiden Kinder nun erwachsen sind und ich nur wenig von ihnen weiss.“ Rund um die Uhr angebunden, eingedeckt mit Wochenendarbeit, ging das Familienleben in weiten Teilen an ihm vorbei. Seine Frau hat die Kinder grossgezogen, ihn hat der Job vom Leben mit ihnen ferngehalten.

Das müsste nicht sein. Zwar wollen manche konservative Organisationsentwickler noch heute nichts wissen von der Verbindung von Teilzeit und verantwortungsvoller Arbeit. Doch in der Praxis zeigt sich, dass es geht. So geht es zum Beispiel auch auf der Geschäftsstelle von Wohnbaugenossenschaften Schweiz. 15 der 16 Mitarbeitenden arbeiten Teilzeit, auch mehrere Männer. „Es funktioniert“, sagt Direktor Urs Hauser.

Sicher braucht es Flexibilität des Betriebs und es ergibt sich ein gewisser Mehraufwand wegen der nötigen Koordination und der Sicherung von Stellvertretungen. Auf der andern Seite ist es für den Betrieb wichtig, dass die in Teilzeit Arbeitenden sich auch flexibel zeigen.

Ist das gewährleistet, gibt es fast nur Gewinner. Dann können sich Väter den Wunsch erfüllen, ihre Kinder auch im Alltag zu erleben. Auf der andern Seite bietet sich den Frauen die Chance zum Wiedereinstieg ins berufliche Leben. Angesichts des Mangels an Fachkräften ist die Wirtschaft sehr interessiert daran.

Bedingung ist allerdings: Man muss sich die Teilzeitarbeit leisten (können) und darüber entscheidet sich zuletzt der Lohn. Je tiefer er ist, umso mehr fällt der Koordinationsabzug zur AHV ins Gewicht. Bei der 2. Säule ergeben sich für tiefe Einkommen daraus echte Nachteile. Da ist nicht zuletzt der Gesetzgeber gefordert; denn er legt den Koordinationsabzug fest.
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