Die Informatikbranche muss ihre Arbeitskräfte erst in der Schweiz suchen

Leserbrief zu «IT-Branche: Die Informatiker werden rar»

Der Druck der Informatikbranche hat den Bundesrat zur Umkehr bewegt. Die Kontingente für Ausländer aus Nicht-EU-Ländern erreichen wieder das frühere Niveau. Wie weit das wirklich nötig ist, müsste jedoch erst noch belegt werden.

Begründet wird der Entscheid mit dem Mangel an Spezialisten insbesondere in der Informatikbranche. Dass Informatiker gesucht sind, ist seit Jahren bekannt. Weniger bekannt ist, dass es in der aktuellen Krise auch in der Informatikbranche viele Arbeitslose hat: Derzeit sind über 2100 Informatikerinnen und Informatiker arbeitslos gemeldet (Arbeitslosenstatistik März 2010, herausgegeben vom Seco am 8. April 2010).

Sicher passt nicht jede Person zu jeder offenen Stelle. Dass die Betriebe aber den Weg des geringsten Widerstands gehen, würde in der Logik des Systems liegen. Am günstigsten sind für die Betriebe die Spezialisten, die mit kürzesten Einarbeitungszeiten in den Arbeitsprozess eingebettet werden können. Gut möglich, dass man diese am «ringsten» im Ausland findet.

Das darf für die Behörden aber nicht der Massstab sein. Denn für die Volkswirtschaft und für die Arbeitslosenversicherung ist dies weit weniger günstig. Es könnte sich für die Arbeitsämter deshalb lohnen, die Gesuche der Betriebe ganz genau zu prüfen.

Gerade wenn die Kosten drücken, genügt der Behörden-Appell alleine vermutlich nicht. Die Gewerkschaften sind jedenfalls nicht sicher, dass die Behörden die geltenden Regeln mit dem nötigen Interesse für die Arbeitslosen in der Schweiz auslegen.

Die Branche und alle Betriebe müssen darauf verpflichtet bleiben, dass sie ernsthaft im Inland geeignete Arbeitskräfte gesucht und nicht gefunden haben. Geeignet müssen dabei auch Personen sein, die mit ihren Fachkenntnissen eine gewisse Einarbeitung benötigen.

Der aktuelle Mangel an Berufsleuten besteht, weil zu wenig Personen ausgebildet werden, vielleicht ausgebildet werden können. Von daher ist es sicher von Vorteil, wenn IT-Branche und Behörden gemeinsam die künftige Berufsbildung sichern. Das gilt allerdings für alle Branchen.
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